Informationen

 

über den „Fall Dr. Alexander“

 

zusammengestellt von Franz J.T. Lee, Kapstadt, z.Zt. Tübingen


 

Inhalt

 

Der Prozeß

Regelwidrigkeiten im Prozeßverlauf

Vernehmung der Angeklagten

Aussage Dr. Alexanders

Urteilsverkündung

Auf der Strafinsel Robben Island

Berufungsverfahren

 

Die Zusammenstellung soll lediglich einen kurzen Überblick über die bisherigen Vorgänge im Prozeß gegen Dr. Alexander u.a. geben. Sie erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. 1.4.1964.


 

Am 12.7.63 wurde Dr. N.E. Alexander aufgrund des 90-Tage-Gesetzes verhaftet (siehe Seite 2). Am 17.10.63 berichtet die „Cape Times“:

 

 „Elf angeklagt wegen Planung einer Revolution! Gegen Dr. N.E. Alexander, einen nichtweissen Wissenschaftler und 10 weitere Personen wird am 4.11.63 Anklage erhoben werden, sich verschworen zu haben, die südafrikanische Regierung durch gewaltsame Revolution, Guerillakrieg und Sabotage zu stürzen. Außerdem werden sie angeklagt, den Diebstahl von Waffen und Munition der südafrikanischen Streitkräfte und der Polizei heimlich geplant zu haben... Es handelt sich um Neville E. Alexander, Don J.W. Davis, Marcus Solomons, Elizabeth von der Heyden, Fikele C. Bam, Lionel D. Davis, Leslie von der Heyden, Dorothy Alexander, Dulci E. September, Doris von der Heyden und Gordon F. Hendricks. Die Hauptanklage lautet auf Sabotage. Es wird behauptet, daß die Angeklagten in der Zeit vom 1. April 62 bis zum 12. Juli 63 auf Treffen und Versammlungen in Crawford, Lansdowne ect. sich verschworen haben, Akte zu begehen, die die Sicherheit der Öffentlichkeit und die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung in Gefahr gebracht hätten. Sie sollen sich außerdem miteinander und mit anderen verschworen haben, die Regierung durch eine gewaltsame Revolution, Guerillakrieg und Sabotage zu stürzen. Dabei wären Menschen getötet und ermordet und Staatseigentum beschädigt und zerstört worden.“

 

 

Der Prozeß

 

Als erster Zeuge der Anklage wurde Leutnant S.E. Sauerman vernommen, der am 12.7.63 Alexander verhaftet hatte. Die Zeitung Cape Argus berichtete: „Leutnant Sauerman sagte, daß er am 12.7. dieses Jahres in das Haus Sandhurst in der Swissroad 8 in Landsdowne ging, wo Dr. Alexander auf sein Klopfen an der Tür öffnete. Alexander bat ihn ins Schlafzimmer, da er im Wohnzimmer Freunde zu Besuch hatte. „Ich sagte ich würde seine Freunde gerne sehen, und er nahm mich ins Wohnzimmer mit,“ sagte der Leutnant aus. „Um den Tisch saßen ein weiterer der Angeklagten, Ian Leslie von der Heyden, und zwei weitere nicht-weiße Männer, Reginald Franke und Gerald Giose. Eine halbe Flasche Brandy und eine Flasche Wein standen auf dem Tisch, auf dem sich auch ein Buch mit dem Titel „Die rote Arme von China“ befand“. In einem verschlossenen Schränkchen fand er eine Anzahl von Büchern, Schriften und Dokumenten. Dann teilte er Alexander mit, daß er ihn nach dem „Supression of Comunism Act“ verhafte. Leutnant Sauerman legte dann als Beweisstücke mehrere Bücher vor: „Strategische Probleme im Guerillkrieg gegen die Japaner“ von Mao Tse Tung, „Die Pariser Kommune“ von Lenin. „Yu Chi Chan Guerillakrieg“ von Mao Tse Tung, zwei Exemplare eines Buches mit dem Titel „Partisanenkriegsführung”. Alle diese Gegenstände hatten sich in einem Umschlag mit der Anschrift „Herrn Dr. N. Alexander“ befunden... Leutnant Sauerman legte außerdem die folgenden Gegenstände vor, die nach seiner Aussage ebenfalls in dem Schränkchen gefunden worden waren: ein Buch mit dem Titel „Wann und Wo und Warum die National Liberation Front gegründet wurde“, ein handgeschriebener Aktenbogen mit der Überschrift „Kurzbericht über Tätigkeiten in Südwestafrika“, ein weiterer mit der Überschrift „Bedingungen für den Sieg“, vier handgeschriebene Folio-Blätter mit der Überschrift „NLF-Arbeit in den Städten“. Weiter fanden sich handgeschriebene Berichte über Folter in Südafrika“ und „Entscheidungen der internationalen Exekutive“, sowie ein maschinengeschriebener Bericht mit der Überschrift „Poquo - wir stehen alleine“.“ Um diese „Beweise“ ins Gerichtsprotokoll aufnehmen zu lassen, begann die Staatsanwaltschaft mit der Verlesung dieser Bücher, Schriften und Berichte. Einige Teile aus Che Guevaras Buch „Über den Guerillakrieg“ wurden in der südafrikanischen Presse wiedergegeben und auf diese Weise wahrscheinlich zum ersten Mal in Südafrika bekannt.

 

Im Kreuzverhör durch die Verteidigung am 14. November mußte Sergeant J.P. van Wyk, der die Wohnung Alexanders durchsucht hatte, zugeben, daß er dort hunderte von Büchern gefunden habe, er weigerte sich jedoch, anzugeben, wieviel davon politischen Inhalts gewesen seien (es waren nämlich nur die von der Polizei beschlagnahmten). Aus der Zeitschrift „Liberation“, dem offiziellen Organ der NLF, wurden von der Anklage u.a. folgende Passagen verlesen:

 

„Wann nimmt ein Staat Zuflucht zu Folter, um Informationen über subversive Tätigkeiten der Unterdrückten zu erhalten? Die Antwort ist sehr einfach: Wenn dieser Staat mit dem Rücken an der Wand steht, wenn er um seine nackte Existenz kämpft. Das ist die Lage in dem von Weißen beherrschten Südafrika heute. Als die General Law Amendment Bill gesetzt wurde, wurde die Folter in Südafrika legalisiert. Das wirkt natürlich überraschend. Es ist längst bekannt, daß die Folter gegenüber Gefangenen, kriminellen wie politischen, zur Erlangung von Informationen angewendet wurde. Doch mußte dies in einer Weise geschehen, daß die Gerichte und die Öffentlichkeit davon nichts erfuhren. Heute hat sich die Lage geändert. Eine Person kann für 90 Tage zum Zweck der Befragung in Haft gehalten werden, ohne je dem Gericht vorgeführt zu werden. In der Realität bedeutet das unbegrenzte Zeit für die Folter....

 

Während der algerischen Revolution benutzten die Franzosen die brutalsten Methoden der „Überredung“, um von ihren Gefangenen Informationen über die Aktivität der FLN zu erhalten. Diese brutalen Methoden wurden immer mehr intensiviert, je weiter der Kampf fortschritt. Wir in Südafrika können und müssen auf eine ähnliche Behandlung durch die Polizei und die Armee gefaßt sein. Schon 1959 wurden zwei hohe Armeeoffiziere und ein Polizeioffizier nach Algerien geschickt, um die Methoden zu studieren, die die Franzosen im Krieg gegen die Algerier anwendeten.“ (Liberation, Heft 3)

 

Dann kam es zur Vernehmung von Polizeispitzeln. Nach dem Bericht der Cape Argus wurde der farbige Polizist Jacobus Kotzee eigens wieder in die Polizei aufgenomnen, um in deren Auftrag Pfarrer Davis zu überwachen. Cecil Dempster, der nächste Zeuge, nahm im Auftrag der Polizei Kontakt mit Dr. Alexander auf. Die Verteidigung konnte dem Zeugen Widersprüche nachweisen. Es stellte sich sogar heraus, daß die Polizei Dempster angewiesen hatte, wenn es nötig sein sollte, einen Meineid zu schwören. (Cape Argus, 20.11.63)

 

Die Aussagen der Kronzeugen geben ein Bild von den Methoden, mit denen die Anklage sie zu Aussagen gegen die Angeklagten zwang. Cape Times vom 7.12.63 berichtet von der Vernehmung des Mister X, dessen Namen die Presse nicht veröffentlichen durfte. Die Verteidigung: „Warum haben Sie sich zunächst geweigert, für die Anklage auszusagen?“ - Mr. X: „Ich wurde nach einer Heft von 28 Tagen (nach dem 90-Tage-Haft-Gesetz) freigelassen. Jeder weiss, warum die Polizei einen Gefangenen vorzeitig freiläßt - weil er ausgesagt  hat. Ich hatte ein Höllenleben draußen. Meine Freunde quälten mich mit Fragen und brandmarkten mich als Verräter. Sie fragten mich, warum ich gegenüber der Polizei ausgesagt habe und nannten mich einen Mann der 5. Kolonne.“ Die Verteidigung: „Warum sagten Sie nicht für die Anklage aus, als sie zum ersten mal den Zeugenstand betraten?“- Mr. X: „Ich schaute in die Zuschauergalerie und sah dort meine Freunde. Ich wusste, es würde wieder losgehen, und ich konnte nicht als Zeuge aussagen. Ich konnte einfach nicht.“ Mr. X sagte, daß er, kurz nachdem er die Zeugenaussage verweigert habe, der Sabotage angeklagt, und vom Magistratsgericht wieder in die Haft zurückgeschickt worden sei. Aber am gleichen Tag, an dem er angefangen habe vor dem Obersten Gericht auszusagen, sei die Anklage gegen ihn zurückgezogen worden.

 

Zuvor hatte er im Kreuzverhör durch die Verteidigung gesagt, daß er der Group Areas Act (Gesetz zur Umsiedlung farbiger Bevölkerungsteile aus „weißen“ Gebieten) nicht feindselig gegenüberstehe, doch gegen die Job Reservation sei (Vorbehaltung zahlreicher Facharbeiterberufe für Weisse). „In Bonter Heuvel haben wir neue Häuser und bessere Lebensbedingungen. Aber die Job Reservation ist eine Unterdrückung der Mischlinge.“ Die Verteidigung: „Auf welche Weise wird nach Ihrer Ansicht die Mischlingsbevölkerung von dieser Unterdrückung befreit werden?“ - „Ich glaube, daß die Zeit allein uns Freiheit bringt. Manches wird schon anders. Es geht langsam. Aber man kann nicht heute einen Baum pflanzen und morgen die Frucht ernten.“ Mr. X beschrieb die Job Reservation als „Albdruck.“ Er sagte, er sei in seinem Beruf seit 18 Jahren tätig, und habe oft Weißen zeigen müssen, was sie zu tun hätten. „Aber ich darf nicht an dieser oder jener Maschine arbeiten, wegen der Job Reservation, und obwohl ich mehr weiß als manche Weiße, werde ich schlechter bezahlt.“ - Die Verteidigung: „Sind Sie verbittert und enttäuscht?“ -“Nein. Ich habe einen sehr guten Chef. Am Ende des Jahres geh’ ich zu ihm und bitte um mehr Bezahlung für die Arbeit. Wir diskutieren darüber, und wenn die Profite gut waren, bekommen wir mehr Geld. Es wird immer in dieser Weise des bescheidenen Fragens getan.“ Er gab zu, daß er manchmal „Verzweiflung“ empfinde, und mit anderen die Möglichkeit diskutiere, die Dinge durch Boykottmaßnahmen, Streiks und sogar Gewalt zu ändern. Über Guerillakriegsführung befragt, sagte Mr. X, daß er bei Zusammenkünften, bei denen einige der Angeklagten gewesen seien, ihnen gesagt habe, daß der „Bure, Polizist und Farmer“ die besten Guerillakämpfer seien, und daß „wir keine Chance gegen sie hätten.“ Ein Freund von Alexander, Reginald Francke, weigerte sich zunächst, als Zeuge auszusagen, änderte aber auf das Versprechen von Straffreiheit hin seinen Entschluß. Er sagte aus, er habe an wöchentlichen Zusammenkünften in Alexanders Wohnung teilgenommen und berichtete über Einzelheiten der dabei entwickelten Pläne. Nach seiner Aussage wurde er freigelassen. (Cape Times, 28.11.63)

 

 

Regelwidrigkeiten im Prozeßverlauf

 

Am 13. Dezember 1963 vertagte das Gericht die Verhandlung über die Weihnachtsferien bis zum 3. Februar 1964. Sofort nach Wiederaufnahme der Verhandlung wies der Hauptverteidiger Gerald Gordon den Gerichtsvorsitzenden, Richter van Heerden, auf eine Regelwidrigkeit hin. Während der 7 Wochen der Vertagung wurde Dr. Alexander und die übrigen männlichen Angeklagten nach der Gefangnisinsel Robben Island im Atlantischen Ozean vor Kapstadt gebracht, wodurch die Verbindung mit ihrem Verteidiger sehr erschwert wurde. Die Verteidiger baten die Angeklagten um die Beantwortung einer Reihe von Fragen. Nachdem die Antworten schriftlich niedergelegt worden waren, hielten die Gefängnisbehörden die Papiere 2 Tage zurück und ließen sie dann an die Angeklagten zurückgehen. Zu ihrer Überraschung fanden die Angeklagten zwischen den Papieren eine neue Seite in der Handschrift eines Vernehmungsoffizieres der Kapstadter Sicherheitspolizei, des Sergeanten van Wyk, der zugleich als Zeuge der Staatsanwaltschaft auftrat. Der Verteidiger Gordon ersuchte um eine nochmalige Vorladung dieses Zeugen und nahm ihn ins Kreuzverhör. Der Polizist gab bereitwillig zu, daß die Seite in seiner Handschrift geschrieben sei und daß er sie Mitte Januar abgefaßt habe. Weiter sagte er, seit er die Angeklagten nach Robben Island gebracht habe, sei er nicht mehr dort gewesen. Der Richter fragte ihn, wo er das Schriftstück zuletzt gesehen habe. „In meinem Büro am Calidon Square. „Mr. Gordon macht geltend, daß die von den Angeklagten verfassten Schriftstücke von den Gefängnisbehörden 2 Tage lang einbehalten worden seien, am 13. und 14. Januar. Dann fragte er: „Haben Sie diese Schriftstücke gelesen?“ Sergeant van Wyk antwortete kühl: „Welche Schriftstücke?“ Diese handgeschriebenen Anweisungen der Angeklagten an den Verteidiger.“ „Nein. Mr. Gordon teilte dem Gericht mit, daß er einen „sehr schwerwiegenden Rechtsbruch“ (breach of privilege) zu Protokoll geben wolle, der die Verteidigung ernsthaft behindert habe. „Wir stellten den Angeklagten eine Reihe von Fragen. Sie schrieben mit ihre Antwort und alles was sie schrieben, ist gelesen worden.“ „Von wem ist es gelesen worden?“ fragte der Richter. „Es ist von den Gefangnisbehörden unterschrieben, und als es den Angeklagten zurückgegeben wurde, fand man dieses Schriftstück darin.“

 

„Ich weiss nicht, was dies bezwecken soll“, sagte der Richter, „ich bin nicht hier, um herauszufinden, ob die Gefängnisleitung einen Rechtsbruch begangen hat. Alles, was ich habe, ist eine einseitige Erklärung seitens der Verteidigung.“ „Dieses 60 Seiten umfassende Dokument wurde den Angeklagten für 2 Tage weggenommen“, sagte Mr. Gordon. „Ich nehme an, daß das Dokument in Mr. van Wyks Händen war. Wenn er es gesehen hat, so ist das ein schwerwiegender Rechtsbruch.“ Der Richter wandte sich an den Detektiv. „Bestreiten Sie, daß Sie das Dokument gesehen haben?“ „Ich bestreite es.“ Der Richter befragte den Sergeanten van Wyk noch einmal über sein Blatt mit Aufzeichnungen. „Sie sagten, daß es in Ihrem Büro war, als Sie es zuletzt gesehen haben?“ „Ja, auf meinem Tisch.“ Er fügte hinzu, daß gelegentlich Dokumente von Calidon Square nach Robben Island gebracht würden. Er wolle nicht andeuten, daß es in diesem Fall so war, aber es hätte passieren können. Mr. Gordon sagte: „Wenn das der Fall ist, so ist einem gerechten Verfahren die Grundlage entzogen... Das ist eine schwerwiegende Regelwidrigkeit. Das kann nicht wieder gutgemacht werden.“ (Nach Cape Argus, 5.2.64)

 

 

Vernehmung der Angeklagten

 

Als erster der Angeklagten sagte der farbige Lehrer von der Heyden nach der Wiederaufnahme des Prozesses im Februar 1964 aus. Darüber berichtete Cape Argus am 6.2.64: „Von der Heyden sagte aus, daß er in Kapstadt geboren und zur Schule gegangen sei und an der Universität von Kapstadt das Baccalaureat und das Lehrerdiplom erworben habe. 1961 habe er an der Livingstone-Highschool zu lehren begonnen und sei an dieser Schule bis zu seiner Verhaftung am 18.7.63 gewesen. Nach 9 Tagen sei er freigelassen worden, am 10.9.63 wieder verhaftet worden.

 

Über sein politisches Engagement befragt, sagte er, daß er ein Mitglied der Non-European Unity Movement und außerdem der Cape Peninsula Students Union gewesen sei. Weiter sei er Mitglied in African People’s Democratic Union of Southern Africa gewesen. Doch habe er seine Begeisterung für diese Organisation verloren, als Ende 1961 Dr. Abrahams und Dr. N. Alexander aus ihr ausgeschlossen worden seien. Seine Schwester Elizabeth habe ihn Anfang 1963 in die NLF eingeführt und er sei ein Mitglied der Gruppe Athlone-Landsdowne geworden, deren Vorsitzender Dr. Abrahams  gewesen sei. Das Ziel der Organisation sei gewesen, alle Gruppen innerhalb der „Befreiungsbewegung“ zusammenzubringen. Es habe sich um eine Studiengruppe gehandelt, die solche Dinge wie den sozialen und wirtschaftlichen Status der Nicht-Weissen und deren Haltung gegenüber ihren Organisationen untersuchte. Das am häufigsten auf ihren Zusammenkünften diskutierte Thema sei die Beschaffung von Geldmitteln gewesen. „Gewöhnlich waren wir völlig pleite“.

 

 

Es gab Diskussionen über die Anwendung von Gewalt unter den nicht-weißen Organisationen. “Das war nichts Neues, jeder sprach darüber.” Guerillakriegführung sei nur eine von vielen Methoden gewesen, die im Zusammenhang mit der Erreichung einer Änderung in Südafrika diskutiert wurden. Andere Methoden, wie Streiks, Boykottmaßnahmen und Demonstrationen seien ebenfalls diskutiert worden.

 

Mr. Gordon: “Was sind die Gefühle der Mischlingsbevölkerung im Hinblick auf die Unterdrückungsgesetzgebung? Hat sie den Eindruck, daß sie eine Veränderung dieser Gesetze mit parlamentarischen Mitteln erreichen kann?” Von der Heyden: “Ich würde sagen, die Mehrheit der nicht-weißen Bevölkerung hat den Gedanken aufgegeben, eine Änderung mit parlamentarischen Methoden zu erreichen.” Mr. Gordon: “Haben die Leute das Gefühl, daß Streiks, Boykotts und Demonstrationen wirksam sind?” – “Boykotts sicher und Streiks könnten wirksam sein.” – “Besteht ein allgemeines Gefühl, daß Gewalt wirksam sein würde?” – “Die Einschätzung der Wirksamkeit von Gewalt ist unterschiedlich. Die Leute sind noch dabei, sich eine Meinung zu bilden.”

 

Von der Heyden sagte, die Diskussionen auf NLF-Treffen über verschiedene Werke von Mao Tse Tung seien rein theoretisch gewesen. Auf die Frage, warum NLF-Treffen im Geheimen abgehalten wurden, antwortete von der Heyden: “Geheimhaltung ist für die Leute in der Befreiungsbewegung fast eine zweite Natur.”

 

 

Aussage des Hauptangeklagten Dr. Neville Alexander

 

Am 18. und 19. Februar sagte Dr. Alexander in eigener Sache aus. Es folgen Auszüge aus den Originalberichten der „Cape Times“ vom 19. und 20. Februar und des „Cape Argus“ vom 19. Februar. „Alexander, aus einem Bündel von Papieren vorlesend, berichtete dem Gericht, daß sein Interesse für Politik mit seiner Immatrikulation an der Universität von Kapstadt im Jahre 1953 begonnen habe. „Ich kam zu dem Schluß, daß es meine Pflicht sei, einer für die vollen politischen Rechte der Nicht-Weißen eintretenden Organisationen beizutreten.“ Er sagte, 1953 und 1954 seien seine entscheidenden Jahre gewesen. An der Universität von Kapstadt habe er sich lebhaft für studentische Angelegenheiten interessiert. Bis 1956 sei sein politisches Interesse „sehr ernsthaft“ gewesen; 1956, als das Gesetz zur Durchführung der Apartheid an den Universitäten dem Parlament vorgelegt worden sei, habe er die Arena der aktiven Politik betreten. Die National Union of South African Students (NUSAS) habe sich dem Gesetzesvorschlag entgegengestellt und er sei der Cape Peninsula Students Union beigetreten, „die sich wie ein Buschfeuer am Kap und in Südafrika ausbreitete. Wir traten für ein demokratisches Erziehungssystem ein.“

 

Er interessierte sich sehr für andere Organisationen, wie die Teachers’ League und die Parent-Teachers’ Association, bis er zum weiteren Studium nach Deutschland ging (im Oktober 1958). In den ersten neun Monaten in Deutschland vermied er es, in Parteipolitik hineingezogen zu werden, doch sei er bald eingeladen worden, Vorträge über die Situation in Südafrika zu halten. Von verschiedenen Organisationen wurde er zu Vorträgen eingeladen. 1960 kam es zu der „sinnlosen Schießerei“ in Sharpeville und ganz Europa habe gegen Südafrika Stellung genommen. „Ich fand es schwierig, unsere Rassenpolitik zu verteidigen. Europaer riefen nach dem Blut der Weißen, die ihre Abkömmlinge waren.“ Alexander sagte, er habe ihren gesagt, die südafrikanische Regierung sei auf eine Politik festgelegt, die keinerlei Konzessionen an die Nichtweißen zulasse. „Von einem Gefühl der Hingabe gegenüber meinem Volk und meinem Land getrieben, kehrte ich 1961 nach Südafrika zurück.“ „Das Gefühl tiefer Enttauschung war weit verbreitet. Die Leute sprachen ganz offen über Revolution.” Zur Beschreibung seiner politischen Vorstellungen in dieser Zeit sagte Dr. Alexander, er habe den Eindruck gehabt, Südafrika habe sich infolge von Rassismus und Rassentrennung nicht zu einer wirklichen Nation entwickelt. Der Grund für den Mangel an Zivilisiertheit unter den Massen sei, so sagte er, in dem Mangel an Entwicklungsmöglichkeiten zu suchen. „In den letzten Jahren sind ihnen diese Möglichkeiten systematisch verweigert worden, und die wenigen, die ihnen noch geblieben sind, werden ihnen weggenommen“.

 

Der Begriff der Revolution schließe nicht die Möglichkeit friedlicher Veränderungen aus, doch hänge dies von der Haltung der an der Macht befindlichen Regierung ab. „Ich begriff, daß die Massen bald das Vertrauen in passive Methoden verlieren würden. Die bestehende Regierung war auf eine Politik festgelegt, die keine Zugeständnisse in Richtung auf eine Integration erlauben würde. Was mich besorgt machte, war, daß Leute, die an Gewaltlosigkeit  glaubten, offensichtlich von Aktivisten verdrängt wurden.“ Er war Mitglied der African People’s Democratic Union of Southern Africa (APDUSA), überwarf sich aber mit den Führern, weil er sie kritisierte.... „Dr. Abrahams und ich gründeten den YU Chi Chan Club. Dr. Abrahams schlug dies als ein Mittel zum Studium der Einheitsfront und Revolution vor.“ Verschiedene Bücher wurden dort analysiert. Alexander sagte, daß sie sich nicht nur mit Literatur über Guerillakriegführung, sondern auch mit anderer Literatur befaßten. Er las dem Gericht eine lange Liste von Büchern vor, mit denen sich der Club befaßt hatte. Diese Bücher wurden nicht benützt, um eine bestimmte Linie zu propagieren, sondern um einen Gegenstand objektiv zu erörtern.“

 

Dr. Alexander fuhr fort: „Die Geheimhaltung, mit der der Yu Chi Chan Club und die NLF arbeiteten, ist in diesem Prozeß ein Verdachtsgrund gewesen. Tatsache ist, daß alle politischen Organisationen des rechtlosen Volks durch die Umstände gezwungen sind, ein gewisses Maß an Geheimhaltung zu üben.“ Diese Geheimhaltung sei aus der Notwendigkeit zu erklären, die Aufmerksamkeit der Sicherheitspolizei zu vermeiden. Er fügte hinzu: „Geheimhaltung ist die Arbeitsweise vieler politischer Organisationen gewesen. Ich könnte das Beispiel des Broederbond zitieren (eine Geheimorganisation einflußreicher burischer Nationalisten, die Red.). Einige Organisationen haben sich in tiefste Geheimhaltung gehüllt, aber man hat sie nicht untersucht oder angeklagt. (Es wird angenommen, daß der Vorsitzende des Gerichts, Richter van Heerden, ein Mitglied des Broederbond ist, die Red.)

 

Alexander sagte, der Club habe Bücher über den Guerillakrieg vervielfältigt, weil zu jener Zeit die Organisation dieses Problem erörterte. „Die Auswahl von Büchern war nicht von irgendwelchen ideologischen Gesichtspunkten diktiert, auch gab es keinerlei Versuche, Mitglieder zu überreden, den Guerillakrieg zu akzeptieren”.

 

Er zitierte einen Auszug aus Lenins „Partisanenkrieg“, wo es heißt, daß die Partisanenkriegsführung nicht als die einzige Kampfmethode für das Proletariat betrachtet werden könne, und sagte dazu: „Nirgendwo in den Schriften der NLF wird eine gegenteilige Ansicht vertreten!“ Nach einem Zitat aus einem Beweisstück, der „Pariser Kommune“ von Lenin sagte Alexander: „Gewalt ist nach der Auffassung Lenins nicht der einzige Inhalt und das einzige Ziel politischer Kämpfe.“

 

Die Diskussion über die Gewaltanwendung sei durch die Sabotageversuche in Südafrika angeregt worden; die Bücher über den Guerillakrieg, über die sie diskutiert hatten, seien in den Buchläden ohne weiteres zu haben gewesen. „Unsere allgemeine Einstellung gegenüber dem Guerillakrieg war die, daß es für den Fall eines bewaffneten Konflikts zwischen der Regierung und den Massen notwendig sei, darüber Bescheid zu wissen.“

 

Alexander sagte, er sei gegen Gewalt und Revolutionen, weil ein Volk nach Gewalttätigkeiten Generationen brauche, um wieder zur Ruhe zu kommen. Aber obwohl er dagegen sei, so gebe es doch auch Zeiten, in denen sie notwendig seien. Revolution habe immer eine fundamentale Veränderung bedeutet; in der Geschichte gebe es genügend Beispiele, daß Revolutionen ohne Gewalttätigkeit stattgefunden hätten. Er nannte dem Gericht Beispiele dafür.

 

Alexander sagte, er hoffe, daß die Bedingungen von Elend, Furcht und Leiden beseitigt werden würden unter denen die Nichtweißen unter einer Regierung zu leiden hätten, die die letzte Bastion der weißen Kultur in Afrika zu sein behauptet, die aber systematisch die Forderungen der Nichtweißen unterdrücke.... Anschließend drückte er die Hoffnung aus, daß Südafrika ein glückliches Land für alle seine Einwohner jeder Überzeugung werden würde.“

 

 

Die Urteilsverkündung am 15. April 1964

 

Der Richter van Heerden „erklärte die Angeklagten für schuldig, Sabotageverbrechen in Form der Vorbereitung zum Staatsumsturz mit gewaltsamen Mitteln begangen zu haben’’ (nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. April 1964). Folgende Strafen wurden ausgesprochen: 10 Jahre Gefängnis Dr. Alexander, Pfarrer Don Davis, Marcus Solomons , Elizabeth van der Heyden, Fikele Bam; 7 Jahre Gefängnis: Lionel Davis und Gordon Hendricks; 5 Jahre Gefängnis: Leslie van der Heyden, Dulcie September, Dorothy Alexander, Doris van der Heyden.

 

 

Auf der Strafinsel Robben Island

 

Sogleich nach dem Urteil wurden Alexander und seinen männlichen Mitverurteilten die Köpfe kahlgeschoren. Sie wurden auf die Felseninsel Robben Island gebracht, die etwa 10 km von Kapstadt entfernt im Atlantik liegt und als völlig ausbruchsicher gilt. Kein Schiff darf näher als 1600 m an sie heranfahren. Auf der Insel werden etwa 1000 farbige politische Häftlinge neben einigen 100 kriminellen gefangen gehalten, u.a. der Generalsekretär des African National Congress, Nelson Mandela, der im Juni zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt worden war, und der Führer des Pan-Africanist Congress, Robert Sobukwe, der dort nach Verbüßung einer 3jährigen Gefängnisstrafe weiterhin festgehalten wird. Im Juli wurde durch mehrere private Briefe in Deutschland bekannt, daß Alexander und 2 seiner Freunde von Aufsehern mißhandelt worden sind. In einem dieser Briefe heißt es: „10. Juni 1964. Fikele Bam wurde vom Oberaufseher angegriffen, getreten und geohrfeigt, weil er beim Essen um eine 2. Portion bat. Er berichtete, dieses am nächsten Morgen den Gefängnisbehörden. Es wurde ihm geantwortet, er sei ein „Kaffer“ und solle dankbar sein für das Essen, das die Gefängnisverwaltung an ihn verschwende. Doch Bam hatte die Absicht, eine eidesstattliche Erklärung abzugeben. Dazu gab man ihm Gelegenheit.

 

Woche vom 22.-27.Juni 1964. Dr. Alexander wurde angegriffen. Er wandte sich gegen die Art der Leibesvisitation durch die Aufseher. Er wurde am Trommelfell verletzt. Anzeige wurde erstattet..... Alle politischen Gefangenen auf Robben Island werden automatisch in die niedrigste Kategorie eingestuft, gegen die Vorschriften. Alle politischen und diejenigen kriminellen Gefangenen, die nicht zur Kollaboration bereit sind, erhalten die schwersten Arbeiten, nämlich die im Steinbruch zugeteilt. Gruppen von zusammen ankommenden politischen Gefangenen werden auseinandergerissen und auf die Zellen von Gewohnheitsverbrechern verteilt. Dr. Alexander ist in einer Zelle, die ausschließlich von kriminellen Gefangenen belegt ist; er hat sich beklagt, daß er infolge der Bandenkämpfe unter diesen Gefangenen seines Lebens nicht mehr sicher sei.

 

Am meisten klagen die Gefangenen über Unterernährung. Das Essen ist schlecht und nicht ausreichend. Ein Grund dafür ist, daß alle Küchenposten kriminellen Gefangenen gegeben werden, die offen grosse Mengen verschieben Die erschreckendste Folge der Unterernährung ist, daß einige der jungen Gefangenen sich gegen verschobene Lebensmittel homosexuell mißbrauchen lassen. Bei der Rückkehr von der Arbeit werden alle Gefangenen durchsucht. Sie müssen sich vollständig auskleiden, den Mund öffnen und den Tausa-Tanz vorführen, bei dem After und Geschlechtsteile entblößt werden. Dr. Alexander und andere sind mehrfach verwarnt und mit Schlägen bedroht worden, weil sie dies verweigerten. Es gibt zahlreiche Fälle von Mißhandlung, doch wird immer darauf geachtet daß keine Spuren zurückbleiben.“ In den „informationen aus der Studentenschaft“ des VDS vom 16. Juni 64 wird über Robben Island berichtet: „Nach einem Bericht der Londoner Sonntagszeitung „The Observer“ vom 31.5.64 sind von ehemaligen Häftlingen der Strafinsel Robben Island schwere Vorwürfe gegen die Häftlingsaufseher erhoben worden. Nach ihren Aussagen sollen die Aufseher Mißhandlungen selbst begangen oder kriminelle Häftlinge dazu ermutigt haben. Auf der Insel befinden sich gegenwärtig 1395 Häftlinge, davon 907 politische.

 

Ein Augenzeuge berichtete über die Lage einer Gruppe von politischen Gefangenen auf der Sträflingsinsel: „Ich kann nur sagen: Sie leiden außerordentlich. Robben Island  läßt sich nur mit Belsen vergleichen, es ist kein Gefängnis. Wir haben immer von diesen Dingen gehört, jetzt lernen wir sie selbst kennen. Die Haftlinge arbeiten im Steinbruch, dürfen nicht miteinander sprechen, werden schwer bewacht. Ihr Essen ist schlecht und keineswegs ausreichend.“

 

 

Berufungsverfahren  gegen das Urteil vom April 1964

 

Die Verteidigung  versuchte sofort nach der Urteilsverkündung, die rechtlichen Grundlagen für ein Berufungsverfahren aufgrund der vorgekommenen Regelwidrigkeiten (vgl. S. 3) zu sichern. Es gelang ihr, ihre Stellungnahme dazu in das Gerichtsprotokoll aufnehmen zu lassen. In der Berufungsverhandlung, die für März 1965 erwartet wird, geht es also vor allem darum, ob die Chancen der Angeklagten durch die ungesetzliche Einsichtnahme der Gefängnisbehörden in die Anweisungen an die Verteidigung beeinträchtigt worden sind, und ob schriftliche Aussagen, die unter den Bedingungen langer Einzelhaft nach dem 90-Tage-Gesetz beweiskräftig sind. Von Sachverständigen werden die Haftbedingungen mit der Wirkung von Foltern verglichen (vgl. auch FAZ vom 22. Aug. 64)

 

Bei der Zusammenstellung des Materials konnte nur auf südafrikanische Presseberichte zurückgegriffen werden, da die westliche Presse nur sporadisch über den Prozeß berichtete.

 

Verantwortlich: Bundesvorstand des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, 6 Frankfurt, Kurfürstenstr. 8


 

Nach der Verurteilung Dr. Alexanders

 

Am 15. April wurden in dem Prozeß gegen Dr. Alexander und seine Mitangeklagten 5 mal 10 Jahre, 2 mal 7 Jahre und 4 mal 5 Jahre Freiheitsentzug verhängt. Diese Urteile kennzeichnen die Rechtsprechung in der südafrikanischen Republik.

 

 

Der Prozeß in Kapstadt

 

Der Fall begann, als Neville Alexander am 12. Juli 1963 in seinem Haus aufgrund des 90-Tage-Haft-Gesetzes verhaftet wurde. Diesem Gesetz zufolge wurde er 76 Tage lang ‘verhört’, ohne einen Verteidiger oder Anwalt zuhilfe zu haben. Am 27. September wurde er 20 Minuten lang gehört und dann dem Obersten Gerichtshof für den Hauptprozeß übergeben. Freilassung gegen Kaution wurde ihm nicht gewährt und der Prozeßbeginn für den 4. November festgesetzt. Während dieser Zeit wurden die anderen Mitangeklagten ebenfalls verhaftet.

 

Die Strafverfolgung wurde geleitet von Deputy-Attorney-General J.E. Nöthling und D. B. Brunette. Gerald Gordon Q.C., R.M. Marais und Dr. H. Strauss verteidigten nahezu alle Angeklagten. Sie sind alle farbig. Alle bekannten sich nicht schuldig. Vorgeworfen wurde ihnen als Hauptanklagepunkt: Verschwörung mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen, mit Mitteln gewaltsamen Umsturzes, Guerilla-Kriegstätigkeit und Sabotage. Außerdem wurden sie noch drei anderer Verbrechen beschuldigt, von denen zwei unter das ‘Gesetz zur Unterdrückung des Kommunismus’ von 1950 fallen.

 

 

Illegalität im Prozeß Alexander

 

Der Prozeß, der am 4.11.63 begann, wurde am 13.12. vertagt. Nach 7 Wochen wurde er am 3. Februar wieder aufgenommen. Am ersten Gerichtstag beschuldigte der Verteidiger G. Gordon den Richter der Illegalität. Während der 7wöchigen Pause wurden Dr. Alexander und die anderen Hauptangeklagten in das Sträflingslager auf Robben-Island gebracht (ohne verurteilt zu sein), wodurch es für ihre Anwälte schwierig wurde, sich mit ihnen zu beraten. Sie forderten daher die Angeklagten auf, zu bestimmten Fragen schriftlich Stellung zu nehmen. Die Antworten hielten die Gefängnisbehörden jedoch 2 Tage auf und schickten sie dann an die Angeklagten zurück. Zu ihrem Erstaunen fanden sie eine neue Seite im Manuskript, einige Zusätze in der Handschrift des Det.-Sgt. J.P.F. van Wyk von der Kapstädter Sicherheitspolizei, einer der Zeugen der Staatsanwaltschaft und Untersuchungsbeamter. Da laut Paragraph 82 des Gefängnisgesetzes alle an den beauftragten Verteidiger des Häftlings gerichteten Briefe von Untersuchungsgefangenen nicht durch die Gefängnisbehörden gelesen und zensiert werden dürfen, bezeichnete Mr. Gordon dies als eine ‘ernsthafte Verletzung des Rechts und geeignet, die Basis eines fairen Prozesses zu stören.’ Dies ist nur ein Beispiel dafür, daß nicht einmal die primitivsten Rechte politisch Verfolgten in Südafrika zugestanden werden.

 

 

Das finanzielle Problem

 

Der ganze Prozeß wurde von der Verteidigungs- und Hilfsorganisation in Kapstadt und vor allem von den DM 40000 finanziert, die die deutschen Studenten sammelten. Offiziellen Schätzungen in Südafrika zufolge, haben die Kosten DM 40000 überschritten. Dieses Geld hätte man in Südafrika unter keinen Umständen aufbringen können. Nachdem nun die Angeklagten für schuldig befunden und hoch bestraft worden sind, ohne daß freilich bewiesen werden konnte, daß die Vorwürfe der Anklage stichhaltig sind, wird ein Berufungsverfahren notwendig. Nach südafrikanischer Gesetzgebung muß innerhalb von 10 Tagen, also bis zum 25. April Revision eingelegt werden. Die Kosten für das neue Verfahren werden sich wiederum auf mindestens DM 40000 belaufen; diese Summe muß bis zum 25.4. gesichert sein, um die Verteidigung für Dr. Alexander auch weiterhin sichern zu können. Es ist zu begrüßen, daß der VDS eine neue Sammlung einleiten will.